Dieser Beitrag im Gartenratgeber 6/21 von Gundula Hammerl spricht mir sehr aus der Seele. Den Inhalt möchte ich gerne allen Lesern ans Herz legen – vielleicht ist der eine oder andere (Um)-Denkanstoß für euch dabei. Tipps und Informationen dazu gibt’s beim Gartenbauverein.
Werner Feuerer, 1.Vorsitzender des Gbv Rieden-Soyen
Mehr Vielfalt, weniger Arbeit
Ein moderner Garten aus Stein erscheint heute vielen Hausbesitzern pflegeleichter als naturbelassenes Grün. Doch dieser Eindruck täuscht. Es gibt Gärten, in denen ein graues Haus steht, das mit einem grauen Dach eingedeckt ist. Die Einfahrt ist grau gepflastert oder asphaltiert und dort wo früher ein Blumenbeet die Besucher empfing, liegt heute ein Mulchvlies aus Kunststoff, auf dem eine dicke Schicht aus grauem Granitschotter verteilt ist. Gerne betont der Gartenbesitzer, dass es doch so viel, viel pflegeleichter sei….
Steingärten sind problematisch – in jeder Hinsicht
Die Antwort könnte lauten: „Wenn etwas tot ist, muss man es auch nicht mehr pflegen!“ Denn eine Steinfläche heizt sich am Tag stark auf und gibt die Temperatur bei Nacht wieder ab. Dies führt zu einer zusätzlichen unerwünschten Aufheizung des Kleinklimas im Dorf und in der Stadt. Aber nur wenige Pflanzen sind an diese ungünstigen Standortbedingungen angepasst, sie produzieren nur wenig Sauerstoff, bieten kaum Schatten und binden wenig Feinstaub aus der Luft.
Zwischen den Steinen wird sich immer wieder Sand, Staub und Laub ablagern, auf dem sich wiederum Samenunkräuter etablieren werden. Ganz zum Ärger der „grau-in-grau“ Liebhaber, die mit allerlei Hilfsmitteln versuchen, das lästige Grün, wie Sämlinge oder Moose und Flechten im Schatten von den Steinen zu vertreiben. Auch das Gewicht der Steinauflage und der dadurch entstehende hohe Bodendruck bewirken, dass fast keine Bodenlebewesen mehr vorhanden sind. Zudem machen sich die wenigsten Käufer Gedanken über Importe aus Entwicklungsländern, Kinderarbeit bei der Verarbeitung der Steine und hohe Entsorgungskosten der neuangelegten pflegeleichten Fläche für zukünftige Generationen.
Naturgarten – statt grau-in-grau
Es gibt aber auch Gärten, die sich durch heimische Materialien und Pflanzenvielfalt auszeichnen. In denen sich zahlreiche Insekten, Vögel und Säugetiere tummeln. Gärten, in denen Laubbäume Schatten spenden dürfen, für Lärmund Windschutz sorgen und ein Spiegelbild der Jahreszeiten sind. Bäume, die durch ihr Laub im Herbst wertvolle Nährstoffe liefern. Würmer, Käfer und viele Mikroorganismen zerkleinern und zersetzen es, der Boden bleibt belebt und die natürliche Bodenfruchtbarkeit erhalten. Bäume im Garten sollten respektvoll behandelt werden und nicht nur als ein Ärgernis und eine Bedrohung beim nächsten Sturm angesehen werden.
Auch Hecken aus möglichst verschiedenen heimischen Laubgehölzen sorgen für einen Sichtschutz zum Nachbarn und sie bieten einen wertvollen Lebensraum für Insekten und Säugetiere. Wildobstarten wie Kornelkirsche (Cornus mas), Felsenbirne (Amelanchier ovalis), Schlehe (Prunus spinosa), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) oder Wildrosenarten können zu Marmelade, Saft oder Schnaps weiterverarbeitet werden und bieten Nahrung für Vögel im Winter.
Statt mit grau-in-grau begrüßt ein Naturgarten seine Besucher mit abwechslungsreichen Staudenbeeten, in denen es von Januar mit den Schneeglöckchen bis Dezember mit den Samenständen der Gräser und mehrjährigen Blühpflanzen immer etwas zu entdecken gibt.
Roter Sonnenhut (Echinacea purpurea), Goldsturm-Sonnenhut (Rudbeckia fulgida) oder Fetthenne (Sedum-Telephium Hybr.) sind nur einige Beispiele für Stauden, die über den Winter standfest sind. In ihren Halmen und zwischen den Blättern überwintern viele Insekten und die umgeknickten Stiele wirken wie eine wärmende Decke für die Überwinterungsorgane im Boden.
Lebensräume erhalten, Kompost
Die mehrjährigen Blühpflanzen werden gemeinsam mit den anderen Beetpflanzen erst im ausgehenden Winter abgeschnitten. Erst wenn Winterling und Schneeglöckchen als erste Frühlingsboten aus der Erde spitzen, ist der richtige Zeitpunkt für den „Frühjahrsputz“ im Garten gekommen. Anfallendes Laub und krautige Pflanzenreste werden möglichst nicht gehäckselt und mit dem Autoanhänger zum Recyclinghof gefahren, sondern am eigenen Komposthaufen gelagert. Das spart sowohl Zeit als auch Geld und die in den Pflanzenhalmen überwinternden Insekten können in Ruhe aus dem Winterschlaf erwachen. Die eigene Erde vom Komposthaufen erspart den teuren Zukauf. Wurzelunkräuter wie Quecke, Giersch oder Ackerschachtelhalm sollten aber besser in der Biotonne entsorgt werden, da sie sonst mit der Komposterde im ganzen Garten weiterverteilt werden.
Die unkrautfreie Komposterde eignet sich auch hervorragend zur Anlage eines eigenen Kräuter- und Gemüsegartens. Wer schon einmal mit Kindern Kartoffeln gesteckt hat, weiß mit wieviel Freude die kleinen Gärtner die reife Laura, Violetta oder La Ratte wieder ausgraben und sie am liebsten an Ort und Stelle kochen und essen würden. Auch Bohnen, Erbsen und bunter Mangold werden plötzlich nicht mehr verschmäht, seitdem der kleine Gärtner selbst ausgesät, gegossen und geerntet hat. Außerdem gibt es in einem naturnahen Garten für Kinder und Erwachsene(!) viel mehr zu entdecken, zu beobachten und zu bestaunen als im plötzlich modernen grau-in grau Garten.

Abwechslungsreiche Gärten sind das Ziel
Insekten wie Schwebfliegen, Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge brauchen einen vielfältigen, abwechslungsreichen Garten, in dem das ganze Jahr ein reiches Angebot an vor allem heimischen Pflanzen vorhanden ist. Bei der Neuzüchtung von Gartenpflanzen wurde lange Zeit der Schwerpunkt auf Duft und eine möglichst lange Blütezeit gelegt, um einen Kaufanreiz beim Gartenliebhaber zu schaffen. Züchterisch konnte die Bestäubung der Blüte durch sehr stark gefüllte Blüten vermieden werden. Somit verlängert sich die Blüte und die Pflanze entwickelt auch keine Samen. Wenn einjährige Blühpflanzen, Stauden oder Gehölze für den Garten oder Balkon zugekauft werden, sollte immer auf ungefüllte oder wenig gefüllte Blüten geachtet werden, denn Pollen und Nektarmüssen für die Insekten gut erreichbar sein.

Blütenreiche Wiesen
Nach wie vor gilt für viele Gartenbesitzer, dass zur Gartengestaltung ein perfekt gepflegter Rasen gehört. Weder Zeit noch Geld werden für das wöchentliche Mähen und den Transport zum Recyclinghof gescheut. Die Ausgaben für Benzin, Herbizide oder die regelmäßige Wartung von Rasenmäher und Vertikutierer werden gerne getätigt, solange der Kampfgegen lästige Unkräuter im Rasen gewonnen ist. Immer öfter aber wird das laute und zeitraubende Mähen einem Mähroboter anvertraut. Fast geräuschlos bewegt sich das Gerät über die Rasenfläche und durch ständiges Mulchen muss somit auch kein Schnittgut mehr abgefahren werden.
Leider erkennt aber auch die Tierwelt den fast lautlosen Mähroboter nicht und das wird gerade nachtaktiven Tieren wir dem Igel oft zum Verhängnis. Abgetrennte Gliedmaßen oder ganzes Schreddern von Garteneidechsen, Käfern und Insekten ist auch am Tag keine Seltenheit, denn die Tiere sind zu klein, um vom Gerät überhaupt wahrgenommen zu werden.
Um dieser Problematik aus dem Weg zu gehen, ist es besser, nur Wege zu mähen. Die restlichen Flächen, vorausgesetzt sie werden nicht als Fußballplatz von Kindern benötigt, werden als Wiese maximal zweimal pro Jahr gemäht. Wichtig dabei ist, das Schnittgut zu entfernen, um den Boden langfristig abzumagern und dadurch den Blütenreichtum der Wiese zu erhöhen. Der Gartenbesitzer wird bald mit einer großen Anzahl von teils unbekannten Pflanzen und Tieren in seinem Garten belohnt werden, denn die Samen der Pflanzen können oft über Jahrzehnte im Boden überdauern und warten nur darauf, keimen und blühen zu dürfen.

Gundula Hammerl
Dipl.-Ing.(FH) Gartenbau
Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Passau
Landratsamt Passau
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