Wie jedes Jahr organisiert der Kreisverband Rosenheim eine Tour für alle Gartenbauvereine im Landkreis Rosenheim. Ziel ist es, dass sich die Ortsverbände bei der Besichtigung von Gärten oder Kulturanlagen austauschen und kennenlernen können. In diesem Jahr wurde das Hopfenland – Wolnzach, Pfaffenhoffen, Rohrbach – ausgewählt.

Angekommen in Wolnzach, war es Zeit für ein Weißwurstfrühstück beim Bürgerbräuwirt. Neben der Gaststube wird die Brauerei Augustiner Bräu viele verwirrt haben, da wir die Marke mit München in Verbindung bringen. Doch 1930 erwarb die Augustiner Bräu regionale Brauereien in Städten wie Wolnzach, Traunstein und Kempten, um den Vertrieb und die Produktion in ganz Bayern zu unterstützen.

Führung im Hopfenmuseum

Die Führung im Hopfenmuseum fand ebenfalls in Wolznach statt. Neben der Bedeutung der Hallertau in der Welthopfenproduktion wurde auch der Kreislauf und die Arbeit der Produktion im Laufe der Zeit erläutert. Besonderes Interesse gilt der Mechanisierung bei der Ernte und der Krankheitsbekämpfung.

Es wurde deutlich, dass das Interesse am Hopfen in seinem goldenen Pulver liegt. Man braucht nur 1 Gramm für 1 Liter Bier. Die Verwendung des Hopfens in der Antike war revolutionär, da er Krankheiten bekämpfte, indem er die schädliche Wirkung von Bakterien stoppte und Lebensmittel konservierte. Man könnte sagen, dass das Trinken von Bier im Mittelalter sicherer war als das Trinken von Wasser.

Das Hopfenmuseum kann man nur empfehlen. Mehr Information über: https://www.hopfenland-hallertau.de/attraktionen/deutsches-hopfenmuseum-2346e26a58

Einige Fakten über Hopfen
Wie viel Hopfen kommt ins Bier?
Für einen Liter Bier benötigt man gerade mal ein Gramm Hopfen. Die Erntemenge einer Hopfenpflanze reicht im Durchschnitt für 400 Liter Bier.
Hopfen ist einen Naturstoff?
Hopfen ist der pflanzliche Stoff, der das Bier überhaupt erst haltbar macht. Denn chemische Zusatzstoffe im Bier sind – zumindest in Deutschland – verboten.
Wohin geht die Hopfenernte?
Rund 99 Prozent der weltweiten Hopfenernte gehen ins Bier! Nur 1% wird pharmazeutisch genutzt.
Wo wird Hopfen angebaut?
2022 wurden weltweit rund 107.000 Tonnen Hopfen geerntet. Diese Menge Hopfen wurde auf einer Fläche von rund 63.000 Hektar erzeugt – das entspricht etwa einem Viertel der Fläche des Saarlands. Knapp drei Viertel der weltweiten Hopfenanbaufläche liegen in zwei Ländern: USA und Deutschland.
Was ist das größte Hopfenanbaugebiet?
Die Hallertau ist mit rund 17.000 Hektar nicht nur das größte Anbaugebiet Deutschlands, sondern auch das größte der Welt. In der Hallertau liegen 83 Prozent aller deutschen Hopfenanbauflächen. Die restlichen 17 Prozent verteilen sich auf die Anbaugebiete Elbe-Saale, Tettnang, Spalt und Bitburg. Aktuell gibt es in Deutschland noch 1.053 Hopfenbaubetriebe – vor 25 Jahren waren es noch über 5.000!

Information gesammelt über: https://www.landwirtschaft.de/tier-und-pflanze/pflanze/nutzpflanzen-allgemein/hopfen-eine-ganz-spezielle-kulturpflanze

Das Mittagessen nahm die Gruppe im Zentrum von Wolznach ein, im Gasthaus Zur Post.

Führung am Hopfenlehrpfad

Es folgte die Führung am Hopfenlehrpfad unter der wertvollen Mithilfe von Thomas Janscheck, der den äußerst arbeitsintensiven Prozess im Detail erläuterte. Jeder monatliche Arbeitseinsatz — von der Vorbereitung des Bodens über die Bepflanzung, das Setzen der Stützen, die Ausrichtung der Pflanzen usw. — entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Zugewanderte Arbeitskräfte, vor allem aus dem Osten, sind für die jährliche Produktion von Hopfen ebenso entscheidend wie für Erdbeeren oder Spargel.

Da es sich um eine so besondere Kultur handelt, ist es wichtig, Sorten zu erforschen und zu entwickeln, die widerstandsfähiger und widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Herausforderungen sind. Aus diesem Grund wurde 2022 eine neue Vegetationshalle am hundertjährigen Hopfenforschungszentrum in Hüll-Wolznach eingerichtet. Durch das neue Forschungsgewächshaus kann man Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit und gleichzeitig auch die Energieeffizienz verbessern. Außerdem konnte im neuen Gewächshaus die Kapazität für die Züchtung neuer Hopfensorten um 20% gesteigert werden.

Mit Blick auf die Zukunft ist geplant, die Hopfenproduktion mit einer Photovoltaikanlage auf den Plantagen zu kombinieren. Neben der erzeugten Energie sollen die Pflanzen auch von der Beschattung durch die Paneele profitieren.

Die klassischen Pflanzen, die in der Region angebaut werden, sind — Hopfen, Spargel und Rhabarber. Hanf ist bereits ein weiterer Kandidat. Die Eigenschaften des Bodens, die Stabilität in Bezug auf die Feuchtigkeit, das Relief in kleinen Hügeln, die vor dem Wind schützen, haben die Region zu einem Meister des Hopfens und zu einem guten Anbaugebiet für andere schnelle und anspruchsvolle Kulturen gemacht.

Besichtigung des zertifizierten Gemeinschaftsgartens Naturgarten

Die Fahrt ging weiter in den Nachbarort Rohrbach, um einen Gemeinschaftsgarten (und auch zertifizierten Naturgarten) zu besichtigen. Die Initiative geht vom Obst- und Gartenbauverein Rohrbach aus. Auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern ist es gelungen, eine Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Interesse zu schaffen – Gärtnern, sich mit der Natur verbinden, gemeinsam lernen.

Wie Sie auf der Projektseite auf Vielfalsmacher sehen können, hat sich das Projekt gelohnt. Der Gastgeber war Hans Tilp, der erläuterte, wie das Projekt entstand, und wie es sich in kurzer Zeit bewährte, da es 2020 ins Leben kam und schon jetzt ein Erfolgsbeispiel ist. Hier gibt es alles: Gemüse, Stauden, einjährige Blumen, Obstbäume, Sträucher, Beeren, Wildes Eck, Benjeshecke, Vögelnest, Hügelbeet, Kompostanlage. Eine große Holzkiste hat alle Werkzeug und Gerät verfügbar. Der Garten funktioniert auch als Treffpunkt für Partys, Veranstaltungen und Kinder Programme.

Das Projekt Gemeinschaftsgarten
Der Verein startete das Projekt 2020 damit, eine ungenutzte, rund 1.300 m2 große Brachfläche in einen Gemeinschaftsgarten zu verwandeln. Die Gemeinde hatte dem Verein die Fläche zu günstigen Bedingungen verpachtet. Über Aufrufe in der Lokalpresse, der Gemeindezeitung und den OGV-Kanälen waren schnell alle geplanten 16 Parzellen des Gartens vergeben. Was wahrscheinlich daran liegt, dass der Verein mit dem Konzept den Zeitgeist getroffen hat: Gemeinschaftlich und naturnah gärtnern, Parzellen in unterschiedlichen Größen von 5 bis 25 m2, eine insgesamt bunte und lockere Gestaltung, Upcycling, kreative Ideen, Gartenwissen und hin und wieder auch Pflanzen austauschen, und das Ganze zu moderaten Kosten von 1 €/m2.
Die Voraussetzung: Eine Mitgliedschaft im Obst- und Gartenbauverein Rohrbach a.d.Ilm e. V. Gemeinsam mit den neuen Pächterinnen und Pächtern hat der Verein die Fläche dann zu einem fruchtbaren Gemeinschaftsgarten gemacht, der heute auch als Naturgarten zertifiziert ist.
Mitgliederzuwachs für den Verein
50 neue Mitglieder hat der Obst- und Gartenbauverein dadurch schon gewonnen. »Viele werden gleich zusammen mit den Partnern Mitglied«, berichtet Hans Tilp. Die neuen Mitglieder kommen
aus allen Altersstufen. Jüngere Leute zwischen 20 und 30, junge Familien mit ihren Kindern, genauso wie Menschen, die keine kleinen Kinder mehr haben oder schon im Rentenalter sind.
Die Motivation, sich im Gemeinschaftsgarten zu engagieren, ist ganz unterschiedlich: Manche haben keinen eigenen Garten, andere brauchen eine zusätzliche Gartenfläche, um Kartoffeln anzubauen. Einigen reicht es sogar, nur ein kleines Hochbeet im Gemeinschaftsgarten zu bewirtschaften. Und für diejenigen, die in Rohrbach eine neue Heimat gefunden haben, ist der Garten der ideale Ort, um neue Kontakte zu knüpfen.

Abschluss bei Kaffee und Kuchen im Café Hipp in Pfaffenhofen.

Ein sehr schöner Ausflug, denn die Region ist vielfältig und hat ein hervorragendes Angebot an Kultur, Tradition, Gastronomie und natürlich die Brautradition, die in den Klöstern ihren Ursprung hat.